Meine Geschichte
Mein erster intensiver Kontakt mit der Behandlung des Morbus Dupuytren entstand zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn in Hannover – in der Klinik von Professor Berger, einem der prägenden Plastischen und Handchirurgen im deutschsprachigen Raum. Auslöser war eine ganz praktische Frage: Ein erfahrener Oberarzt hatte die Klinik verlassen, um eine Chefarztposition anzutreten – und plötzlich stellte sich die Frage, wer sich künftig diesem komplexen Krankheitsbild widmen sollte.
Zunächst fiel die Wahl auf meinen Kollegen Peter Brenner, einen engagierten und ambitionierten jungen Oberarzt. Im Zuge seiner wissenschaftlichen Arbeit entwickelte er ein besonderes Interesse an der Erkrankung und zog mich in sein Team. Rückblickend war dies ein entscheidender Moment: Seine Begeisterung für das Thema war ansteckend – und legte den Grundstein für meinen eigenen Weg.
Wenige Jahre später war ich selbst Oberarzt am Universitätsklinikum Lübeck. Mein damaliger Chef, Peter Mailänder, ermutigte mich, das Thema Morbus Dupuytren zum Schwerpunkt meiner Habilitation zu machen. Die wissenschaftlichen Grundlagen waren bereits vorbereitet, unter anderem durch Kooperationen mit der Molekularbiologie. Gemeinsam mit zwei hoch engagierten Doktoranden entstand eine umfangreiche Arbeit, die ich – nach einer durchaus fordernden Phase – im Jahr 2003 erfolgreich abschließen konnte. Der Fokus lag auf molekularbiologischen Erkenntnissen dieser Erkrankung.
Diese Habilitation war ein wichtiger Meilenstein und eröffnete mir schließlich die Möglichkeit, 2004 die Position des Chefarztes in Nürnberg zu übernehmen. In dieser Rolle standen zunächst viele andere Themen im Vordergrund – doch der Morbus Dupuytren blieb stets ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit.
Einen Wendepunkt markierte für mich die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie im Jahr 2008 in Hamburg. Dort stellte Albrecht Meinel seine Erfahrungen mit der perkutanen Nadelfasziotomie vor. Diese Methode war mir zwar bekannt, wurde jedoch von vielen unserer früheren Lehrer kritisch gesehen. Die operative Entfernung des erkrankten Gewebes galt lange als einzig konsequente Therapie.
Doch hier eröffnete sich eine neue Perspektive: eine minimalinvasive Methode, die Patienten schnell und unkompliziert helfen konnte.
Kurz darauf behandelte ich meine erste Patientin mit diesem Verfahren – eine ältere Dame mit erheblichen Vorerkrankungen, für die eine klassische Operation ein erhöhtes Risiko dargestellt hätte. Das Ergebnis war beeindruckend: Ein stark gekrümmter Finger wurde innerhalb kürzester Zeit wieder beweglich.
Einige Monate später kehrte die Patientin zurück – mit einem Rückfall. Ich erwartete, dass sie sich nun für eine Operation entscheiden würde. Stattdessen bat sie um eine Wiederholung der Behandlung. Für mich war das ein Schlüsselmoment: Die Methode war keine Heilung – aber sie bedeutete für die Patientin eine echte Verbesserung ihrer Lebensqualität. Ich wiederholte die Behandlung, ergänzte sie später durch eine Nachtlagerungsschiene – und sah die Patientin danach nicht wieder.
Diese Erfahrung prägte meinen weiteren Weg nachhaltig.
In den folgenden Jahren kam die enzymatische Behandlung hinzu, die ich ebenfalls mit großer Überzeugung einsetzte. Die Ergebnisse waren oft beeindruckend. Allerdings führten gesundheitspolitische Rahmenbedingungen dazu, dass diese Therapie in Deutschland zunehmend eingeschränkt wurde. Schließlich verschwand sie 2019 vollständig vom Markt – nicht aus medizinischen Gründen, sondern aufgrund wirtschaftlicher Entscheidungen.
Parallel dazu ergaben sich neue Perspektiven: Die Entwicklung alternativer Medikamente wurde angestoßen, und ich hatte die Möglichkeit, als verantwortlicher Prüfarzt an solchen Projekten mitzuwirken. Bis zu meinem Ausscheiden aus der Chefarztfunktion in Nürnberg konnte ich diese Arbeit aktiv begleiten.
Doch unabhängig von wissenschaftlichen Entwicklungen ist über all die Jahre etwas viel Wesentlicheres entstanden: die Begegnung mit den Menschen. Viele Patientinnen und Patienten haben mich über lange Zeit begleitet – und ich sie. Daraus entstand der Wunsch, diese Arbeit auch über die klassische Kliniklaufbahn hinaus fortzuführen.
Seit 2024 habe ich die Möglichkeit, innerhalb der Strukturen des Klinikums Nürnberg weiterhin ambulante Behandlungen anzubieten. Menschen kommen nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Diese Kontinuität erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.
Rückblickend ist die Beschäftigung mit dem Morbus Dupuytren für mich weit mehr als ein medizinisches Spezialgebiet geworden. Sie ist zu einer Lebensaufgabe gewachsen – getragen von wissenschaftlicher Neugier, praktischer Erfahrung und vor allem von zahlreichen persönlichen Begegnungen.
Für mich ist das ein Geschenk.
