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Im dritten Anlauf

In diesem Gespräch schaut Herr Völkel, der schon seit seiner Jugend mit M. Dupuytren und vor allen M. Ledderhose zu tun hat, auf das letzte Jahr zurück. Eigentlich hatte er gehofft, mit einem neuen Medikament erfolgreich von seiner Streckblockade am rechten Ringfinger befreit zu werden, was aber misslang. Und die dann folgende Nadelfasziotomie musste abgebrochen werden, weil ein Nerv im Weg war. Schließlich blieb nur noch die Operation, über die bereits ein Clip produziert wurde (https://youtu.be/GKoxdpHDbXs). Nun sind etwas mehr als drei Monate vergangen und Herr Völkel berichtet von seinen Erfahrungen.

Schnellender Finger und Dupuytren

Neben dem Karpaltunnelsyndrom gibt es eine weitere häufige handchirurgische Erkrankung, bei der man immer wieder einen Zusammenhang mit dem M. Dupuytren vermutet: der schnellende Finger. 

Wieder geht es um ein Engpasssyndrom, diesmal sind allerdings Beugesehnen betroffen, nicht ein Nerv. Damit ein Finger normal bewegt werden kann, müssen seine Sehnen widerstandslos gleiten können. Das geht bei den Strecksehnen meistens problemlos. Die Beugesehnen verlaufen allerdings in einem ziemlich engen Kanal. Das ist wichtig, weil sie sich sonst vom Fingerknochen lösen würden, wenn man zugreift und dabei die Finger beugt. Die Sehnen kommen in relativ gerader Fortsetzung aus dem Unterarm durch den Karpaltunnel in die Hand und ändern bei Beugung des Fingers drastisch ihre Richtung, nämlich dort, wo der Finger beginnt. Hier fängt der Beugesehnengleitkanal, der aus einer Reihe von Ringbändern besteht, an und gleich das erste ist das größte Hindernis. 

Hier müssen die Sehnen ihre Verlaufsrichtung erheblich ändern, und das auch noch unter starkem Zug. Mechanisch gesehen wäre eine Umlenkrolle sinnvoll, um Reibungsschäden zu vermeiden, aber die Natur hat hier stattdessen ein ziemlich scharfkantiges Band vorgesehen.

Besonders bei monotonen und häufig gerade bei ungewohnten Belastungen entstehen Schäden an den Sehnen und Bändern. Die Patienten kommen oft im Frühjahr und Herbst, wenn Hobbygärtner ein Wochenende lang kaum etwas anders tun, als mit der Gartenschere zu arbeiten. Nach einiger Zeit bilden die Beugesehen knotige Verdickungen und gleiten nun nicht mehr ohne weiteres durch das Ringband hindurch. Sowohl beim Beugen wie auch beim Strecken müssen Widerstände überwunden werden, bevor die Bewegung des Fingers möglich ist. Während nicht beteiligte Finger sich harmonisch bewegen, zögert der betroffene Finger, bevor er mit einem schmerzhaften Ruck den anderen hinterhereilt, daher der Begriff „Schnellender Finger“.

Man kennt verschiedene Behandlungsformen, muss auch nicht immer operieren, aber manchmal eben doch. Und das Operationsprinzip erinnert an die Bandspaltung beim Karpaltunnelsyndrom: das erste Ringband wird genauso durchtrennt, so dass die verdickten Beugesehnen wieder besser gleiten können.

Das Besondere ist, dass dieser Eingriff in unmittelbarer Nachbarschaft zur Faserplatte stattfindet und das ist nicht ganz unbedenklich. Immer wieder tauchen in der medizinischen Literatur Berichte über Patienten auf, die gesunde Hände hatten und bei denen erst nach der Operation eines schnellenden Fingers eine Dupuytrenkontraktur entstand. Man vermutet, dass entzündliche Reaktionen infolge der Ringbanderkrankung, aber auch als Folge der Heilungsvorgänge nach der Operation, zu einer Verschlimmerung der Dupuytrenerkrankung beitragen könnten. 

Karpaltunnelsyndrom und Dupuytren

Neulich kam ein Dupuytrenpatient in die Sprechstunde mit einem ganz neuen Problem: ihm waren die Finger eingeschlafen. Es stellte sich heraus, dass er möglicherweise ein Karpaltunnelsyndrom hat. Ist da ein Zusammenhang zwischen Morbus Dupuytren und diesem CTS? 

Die Veränderungen beim Dupuytren betreffen die Faserplatte in der Innenhand. Darunter  liegen Gewebe wie die Beugesehnen mit daran anhängenden Muskeln, Blutgefäße und Nerven sowie weitere Bindegewebe, die nicht betroffen sind.

Die Bedeckung des Karpaltunnels ist eine straffe, gurtartige Struktur. Sie sorgt dafür, dass bei einer gleichzeitigen Beugung von Handgelenk und Fingern die Beugesehnen im Bereich des Handgelenkes nicht unter die Haut rutschen können. Sie verlaufen hier durch den Karpaltunnel. Der Gurt ist zwischen den beiden Enden der knöchernen Halbrinne aufgespannt, die etwa zwei Drittel dieses Kanals bilden. Man kann sich gut vorstellen, dass es bei Schwellungen zu Problemen kommt, denn dieser Raum lässt sich nicht dehnen. Es gibt keine elastischen Elemente, alles ist straff. Wenn also die Strukturen, die durch diesen Engpass hindurch verlaufen, an Umfang zunehmen, also dicker werden, kommt es notwendigerweise zu einer Drucksteigerung. Leidtragender ist dann immer der schwächste in dieser Kette, nämlich der Mittelnerv. Als Patient merkt man das daran, dass Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger das normale Gefühl verlieren. Der kleine Finger und auch ein Teil vom Ringfinger sind davon übrigens nicht betroffen, sie haben einen eigenen Nerven der an einer anderen Stelle verläuft. Das Karpaltunnelsyndrom zeigt sich im Frühstadium besonders oft in der Nacht. Im Schlaf nehmen wir gern eine Ruhestellung ein, bei der die Hand im Handgelenk gebeugt wird. Zusätzlich zu der Druckwirkung innerhalb des Karpaltunnels wird der Mittelnerv durch die Beugestellung weiter eingeengt. Nach einiger Zeit wird der Patient wach, seine Hand ist eingeschlafen und kribbelt unangenehm. Die Einengung verhindert die normale Durchblutung des Nerven, deswegen kommt es zu solchen Missempfindungen. Ähnliches passiert bei einer Überstreckung nach hinten, zum Beispiel beim Fahrradfahren, wenn man sich entsprechend am Lenker festhält. Und in der Schwangerschaft, wenn die Frauen starke körperliche Veränderungen durchmachen, sind diese Beschwerden auch nicht selten zu beobachten. Hier kann man allerdings davon ausgehen, dass sie nach der Entbindung auch von allein wieder verschwinden.  

Unser Dupuytrenpatient wurde von mir zum Neurologen geschickt. Durch spezielle Untersuchungen kann dort festgestellt werden, ob ein Nervenschaden besteht, der nur noch durch eine Operation gebessert werden kann. Dabei muss man nur das Karpaldach spalten und sofort ist mehr Raum zur Verfügung. Wenn man danach die Hand  einige Wochen schont, ist alles verheilt und die Stabilität ausreichend wiederhergestellt. Der Nerv braucht oft allerdings länger, um sich wieder vollständig zu normalisieren. Wenn man die Beschwerden allerdings ignoriert und der Nerv stark geschädigt ist, kann es auch sein, dass eine völlige Erholung nicht mehr möglich ist.

Unsere Studie: aktueller Stand

Aktuell suchen wir keine neuen Probanden für unsere Studie, denn wir haben bereits genügend Teilnehmer gefunden, auch weil mehrere Studienzentren parallel arbeiten. 

Die ersten Ergebnisse sind sehr ermutigend, denn die erwünschte Wirkung konnten wir schon bei sehr geringen Dosierungen beobachten. Gleichzeitig sind bislang noch keine Nachteile erkennbar.

Bei optimalem Verlauf wird schon recht bald die nächste Phase gestartet werden, für die wir dann wieder neue Probanden suchen werden. 

Zur Erklärung

Trotz meiner obigen Nachricht erhielten wir weiterhin Anfragen wegen einer Teilnahme an der Studie, möglicherweise in anderen beteiligten Zentren. Vermutlich habe ich das nicht deutlich genug beschrieben: alle fünf beteiligten Zenten arbeiten ausschließlich koordiniert. Die Studienzentrale weist die Teilnehmerplätze zentral zu, der Ablauf erfolgt dann immer nacheinander, niemals zeitgleich. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich etwaige unerwünschte Nebenwirkungen nicht aus mangelnder Vorsorge an mehreren Orten wiederholen.

Dies hat zur Folge, dass es für unsere Interessenten belanglos ist, in welchem der Zentren sie anfragen, aktuell gibt es keine weiteren Möglichkeiten.

Vielen Dank für Ihr Interesse und für Ihr Verständnis!

Morbus Ledderhose

Ich wurde gebeten, ein Video zu diesem Thema zu machen. 
Es geht um die wesentlichen Hintergründe zum Morbus Ledderhose, bei dem Knoten, ähnlich wie bei der Dupuytren-Erkrankung, an der Fußsohle entstehen. Viele Leute haben damit relativ wenig Probleme. Manchmal ist das aber anders und dann geht es darum, sich für die richtige Behandlung zu entscheiden.
Wenn Sie selbst recherchieren möchten, empfehle ich wieder einmal die Seiten der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft (www.dupuytren-online.de) und der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (www.dg-h.de).

Unsere Handtherapeutin

Schon seit mehr als zehn Jahren finden die Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie immer gemeinsam mit denen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie statt. Und auch im vergangenen Jahr, als wir nach Berlin zum Weltkongress für Handchirurgie einluden, war das nicht anders. Dafür gibt es gute Gründe. In den allermeisten handchirurgischen Behandlungsfällen kommt es neben einer gut gemachten Operation vor allem auf eine qualifizierte Nachbehandlung an.
Wie sieht es beim Dupuytren aus? Das habe ich unsere Handtherapeutin am Klinikum Nürnberg, Frau Bernhöft, gefragt.

Ein Diathese-Patient erzählt

Einige wenige Patienten erkranken sehr früh im Leben an der #Dupuytren-Kontraktur. Die Erkrankung verläuft ungewöhnlich aggressiv, breitet sich rasch über die ganze Hand aus und betrifft dann oft beide Seiten. Der Umgang mit der Erkrankung ist anspruchsvoll, auch für den Arzt. Es ist nicht unbedingt ratsam, nur die Standardmethoden anzuwenden. In diesem Interview berichtet Herr Gleichmar über seine Erfahrungen. Er ist ein besonders interessanter Patient, der schon alle bekannten Methoden zur Behandlung der Morbus Dupuytren erlebt hat. Besonders wichtig ist ihm, dass es nicht nur auf die eigentliche Behandlung ankommt, sondern auch auf die #Dupuytren Übungen danach. Sehen Sie selbst!